Geschichte des Henningers



Fachwerk unter Putz 1900
Luise Henninger 1916Fachwerk freigelegt 1919

Aus Erzählungen meiner Großmutter Luise kenne ich die Geschichte meiner Familie, die das Weinhaus Henninger geprägt hat. Seit über 400 Jahren baute unsere Familie Wein in Kallstadt an und seit 160 Jahren prägte sie den Begriff Gastlichkeit mit Leben.

In den Jahren bis 1615 wurde das stattliche Fachwerkhaus in Form einer fränkischen Hofbauweise, das heute unter Denkmalschutz steht, errichtet. Der Wein war stets die Richtschnur unserer Familie. Bereits wenige Jahre nach der Fertigstellung wurde das Haus zum Teil durch den Dreißigjährigen Krieg zerstört und erst im Jahr 1688 endlich wieder komplett aufgebaut. Der damals erneut errichtete Torbogen mit dem großen und kleinen Tor bestand bis zum Jahr 1919 in dieser Form, bis ihn mein Großvater beim Rangieren mit dem ersten eigenen LKW zerstörte. Der Wiederaufbau veränderte auch die Form zu seinem heutigen Aussehen, mit dem großen Tor.

Das Gasthaus gründete mein Urgroßvater Johannes Henninger II, dem sein Sohn Georg Henninger IV folgte, ein zu Lebzeiten sehr geschätzter Weinfachmann, der mit seiner Heirat von Luise Georgens die Seele ins Weinhaus Henninger holte. Sie war es, die den Ruf des Hauses erstmals in die deutschen Lande hinaustrug. Auf der Süddeutschen Gartenbau-Ausstellung 1925 im Ebertpark in Ludwigshafen war das Weinhaus Henninger mit einem Holzbau Infostand vertreten. Nach dem Tod meines Großvaters im Jahr 1926 führte meine Großmutter Luise den Betrieb alleine weiter und stellte, zu diesem Zeitpunkt ein außergewöhnlicher Vorgang, einen hauptberuflichen Koch ein, machte das Weinhaus zur Pilgerstätte für gutes Essen und damit weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt.

Er zählte sicher nicht zu den ersten Gästen im berühmten Kallstadter Weinhaus, aber mit Sicherheit war er der Erste, der mit einem Auto vorfuhr. Was waren das noch für ruhige Zeiten, als Auto-Pionier Carl Benz von Ladenburg aus sonntäglich in die Pfalz tuckerte und seinen patentierten Motorwagen neben den Pferdekutschen vor dem Weinhaus Henninger abstellte.

Dem Ruf der guten Küche folgten auch Chinas Staatschef Tschu-En-Lai, der Reeder Aristoteles Onassis und Champagner Baron Remy Heidsiek. Der Schah von Persien und seine Kaiserin Soraya weilten ebenso bei uns, wie auch Prinzessin Eleonore D’Este, Franz-Josef Strauß, Willi Quadflieg und Erika Köth, die „O mei, es schmeckt halt sooooo gut!“ in unser Gästebuch schrieb.

Der Saumagen ist sicher die bekannteste und beliebteste Pfälzer Küchenspezialität – der Gipfel aller Schlachtgenüsse. Großmutter Luise war es, die nach dem 1. Weltkrieg den längst in Vergessenheit geratenen Saumagen wiederentdeckte. Aus dem einstigen Arme-Leute- Essen machte sie eine Kallstadter Spezialität, die verfeinert auf den Tisch kam und heute auf fast allen Pfälzer Speisekarten vertreten ist. Dass die beste Kallstadter Weinlage den gleichen Namen trägt, ist mehr als Zufall. War’s die Ähnlichkeit der Geländeformation mit dem prallen Leibgericht? War’s die Sauweide, auf der dann ein Weinberg entstand, oder ganz einfach die übergroße, na sagen wir, Zuneigung zur Delikatesse? Wie immer die Gedankenverbindungen liefen – spitze sind sie beide, der auf dem Teller und der im Glas. Zur Speise passt deshalb am besten ein Saumagen Riesling Kabinett – voller Körper und doch rassig und elegant!

Wohl bekomms!

Walter Henninger



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